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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) plant nach eigenem Bekunden einen radikalen Umbau des Gesundheitswesens. Die Vorschläge, die er präsentiert, sind weder neu noch werden sie Anforderungen an eine öffentliche, solidarische Gesundheitsversorgung gerecht. Nach diesen Plänen wird das Ziel einer qualitativ guten Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger der Vergangenheit angehören und die Zwei-Klassen-Medizin endgültig zementiert.
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Die Kopfpauschale entkoppelt die Gesundheit von der Solidarität
Kopfpauschale heißt: Alle zahlen dasselbe. Egal ob sie 900 Euro oder 9.000 Euro im Monat verdienen. Das bedeutet im Klartext: Die Putzfrau im Krankenhaus zahlt soviel wie die Oberärztin, der Fensterputzer soviel wie der Chef der Deutschen Bank. Und Gesundheitsminister Rösler soviel wie sein Fahrer.
Wer von der Kopfpauschale profitieren würde, hat die Rürup-Kommission schon 2003 vorgerechnet: Wer viel Geld hat, wird in Zukunft durch die Kopfpauschale finanziell entlastet. Wer wenig Geld hat, zahlt mit der Kopfpauschale kräftig drauf.
Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem rechnet vor: "Das [ist] eine massive Umverteilung. Nehmen Sie jemanden, der dreieinhalbtausend Euro verdient, der würde nach dem Modell, was im Koalitionsvertrag steht, künftig so 140, 150 Euro im Monat zahlen, während der heute 280 Euro zahlt." Geringverdienende, die derzeit mit einem Einkommen von beispielsweise 800 Euro nur etwa 60 Euro bezahlen, würden hingegen mehr als doppelt soviel zahlen. Dass sich die Kopfpauschale ohne irgendeinen sozialen Ausgleich nicht durchsetzen lässt, ist mittlerweile selbst der FDP klar geworden. Dies soll über steuerliche Ausgleichszahlungen und Entlastungen geschehen. Dagegen sprechen gleich mehrere Gründe:
Ende der Parität bürdet Arbeitnehmer/innen einseitig die Kostensteigerung auf
Die Regierung sägt auch am zweiten Grundpfeiler unseres Gesundheitssystems: der paritätischen Finanzierung.
Der Beitragsanteil der Arbeitgeberseite soll bei 7 % eingefroren werden - und damit dauerhaft von den Kostensteigerungen des Systems ausgenommen werden. Bisher teilten sich Arbeitgeber/innen und Arbeitnehmer/innen die Beiträge zur GKV - allerdings nur bis 2005 zu gleichen Teilen. Schon seit dieser Einschränkung wird ein Zusatzbeitrag von 0,9 % allein von den Arbeitnehmer/innen getragen. Die Folge: Der allgemeine Beitragssatz von 14,9 % der Beitragspflicht wird jetzt von Arbeitnehmerseite mit 7,9 % und von Arbeitgeberseite in Höhe von 7,0 % finanziert.
Trotzdem: Das schwarz-gelbe Vorhaben, den Arbeitgeberanteil auf 7 % einzufrieren und jede weitere Teuerung den Arbeitnehmer/innen aufzubürden, bedeutet letztlich eine massive Lohnkürzung per Gesetz. Der Arbeitgeberanteil der paritätischen Finanzierung ist schließlich Teil der Lohnkosten. Die erwarteten immensen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen werden sich aber in Tarifverhandlungen nicht in gleicher Höhe als Lohnerhöhungen aushandeln lassen.
Zwei-Klassen-Medizin macht Armut zum Gesundheitsrisiko
Schon jetzt ist in Deutschland die Lebensdauer jedes/r Einzelnen stark vom Einkommen abhängig - Untersuchungen zeigen, dass Menschen aus dem oberen Einkommensviertel im Schnitt zehn Jahre länger leben als Menschen aus dem unteren Einkommensviertel.
Anstatt dieses Ungleichgewicht zu entschärfen, verschärfen die Pläne der Koalition das Problem. Die schwarz-gelbe Regierung will den Wettbewerb der Krankenkassen um Versicherte mit niedrigen Gesundheitsrisiken wiederbeleben und private Krankenversicherungen stärken. Die Zwei-Klassen-Medizin wird so zementiert und nicht bekämpft.
Und was stattdessen?
Auch im gegenwärtigen Gesundheitssystem kommt es zu enormen Verwerfungen, und für viele Patient/innen ist die Zwei-Klassen-Medizin schon jetzt Realität. Aufgabe von Politik muss es aber sein, diese Probleme zu lösen oder einzudämmen. Die Pläne der Regierung verschärfen dagegen die Zwei-Klassen-Medizin. Deswegen muss genau das Gegenteil von dem passieren, was uns die Regierung vorschlägt: Eine sinnvolle Reform muss eine solidarische Perspektive ermöglichen. Dazu gehört zwingend, dass sich zukünftig all Bürger/innen mit allen Einkommensarten an der Finanzierung beteiligen und dass Besserverdienende aufgrund ihrer finanziellen Stärke dazu mehr beitragen als Menschen mit geringem Einkommen. Nur so lässt sich Gesundheitsversorgung für alle aufrecht erhalten.